Neue Infoseite über medizinische Versorgung von Geflüchteten (23.03.2016)

Unter http://gesundheit-gefluechtete.info/ finden interessierte Personen eine sehr gute Übersicht zur rechtlichen Situation der medizinischen Versorgung von Geflüchteten in Deutschland.

Ärzt*innen können sich über ihre Behandlungsmöglichkeiten genauso informieren, wie Interessierte über die aktuelle Situation in den verschiedenen Bundesländern.

Die Seite wurde von den Medibüros/Medinetzen in Kooperation mit medico international erstellt.

Über 1000 Behandelte auf der Walli – neue Gesundheitskarte für Asylbewerber_innen löst das Problem nicht! (2.12.2015)

Seit fast 10 Wochen wird auf der Walli praktische Solidaritätsarbeit mit Geflüchteten aus aller Welt geleistet. In dieser Zeit wurden über 1000 Geflüchtete im Solidaritätszentrum medizinisch behandelt.
Unsere Arbeit konnte dank vieler Spenden und dem unermüdlichen Einsatz vieler Freiwilliger aufrecht erhalten werden. Jedoch können wir damit lediglich den Geflüchteten im Transit eine Art Notfallversorgung zukommen lassen.

Für die Geflüchteten, die in Lübeck bleiben möchten, ist dieses Provisorium leider ein Dauerzustand. Eine kleine Verbesserung kommt ab 1. Januar 2016 auf sie zu. Die schon lange geforderte Gesundheitskarte für Asylbewerber_innen wird in Schleswig-Holstein eingeführt. Dadurch werden Arztbesuche vereinfacht und die Ärzt_innen selbst entscheiden in wie weit eine Behandlung noch in die „Notfallversorgung“ zählt. Doch das Grundproblem eines sehr eingeschränkten Leistungskataloges für die Menschen, die hier in der Warteschleife hängen, bleibt. Und auch dringend benötigte Dolmetscher_innen können über die Gesundheitskarte nicht abgerechnet werden.

Daher fordern wir, dass auch Dolmetscher_innen, die für die Behandlung unerlässlich sind, von der Krankenkasse bezahlt werden! Es darf keinen Unterschied zwischen den Leistungen einer „normalen“ Gesundheitskarte und der einer_s Asylbewerber_in geben! Kein Mensch darf in Deutschland aufgrund der Nationalität oder des Aufenthaltstatus schlechter behandelt werden!

 

Solidarität mit den Geflüchteten auf ihrem Weg nach Skandinavien (27.09.2015)

Eine Bewegung von Menschen, die vor Krieg, Armut und Elend fliehen bewegt sich momentan durch Europa. Was vor ein paar Wochen noch undenkbar war, ist nun Realität: die Grenzen beginnen zu bröckeln.

Hier in Lübeck kommen momentan jeden Tag Geflüchtete an, die auf dem Weg nach Skandinavien sind. Auf der „Walli“ werden sie mit einer warmen Malzeit und einem Platz zum Schlafen unterstützt. Außerdem wird die Weiterreise organisiert, Fährtickets gekauft, Busshuttle zum Fährhafen organisiert.

Das Medibüro Lübeck unterstützt die Bewegung der Geflüchteten – konkret und praktisch. Wir organisieren, zusammen mit vielen, vielen Freiwilligen Helferinnen und Helfern eine medizinische Sprechstunde auf der „Walli“, Medikamente und Hilfmittel.

Momentan werden Helferinnen und Helfer gesucht. Wenn Sie sich egagieren wollen und sich zutrauen, medizinische Beratung anzubieten oder mit Spenden zu helfen, wenden Sie sich bitte über unsere Handynummer oder Mailadresse an uns.

01577 9338144 (im Moment 24/7 besetzt) oder *protected email*

Offener Brief : Forderung einer Psychotherapeutischen Krisenintervention für Geflüchtete in Lübeck (18.08.2015)

An den Bürgermeister Herrn Saxe und die Bürgerschaft

Rathaus
Breite Str. 62

23552 Lübeck



 

Offener Brief


 

Lübeck, den 01.07.2015

 

Appell an Herrn Saxe und die Bürgerschaft:

Psychotherapeutische Krisenintervention für Geflüchtete in Lübeck

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

zu der Frage „Soll das der sichere Hafen sein?“ organisierte das Medibüro Lübeck am 20. Mai eine Veranstaltung, auf der das Krankheitsbild „Posttraumatische Belastungsstörung“ (PTBS) bei Geflüchteten und deren Versorgung in Lübeck erörtert wurde.

 

Frau Flor, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, informierte über Grundlagen des Krankheitsbildes PTBS und ihre Arbeit mit traumatisierten Geflüchteten in Hamburg. Im Anschluss wurde die aktuelle Situation in Lübeck aus verschiedenen Perspektiven geschildert. So berichteten Ulrike Tietz vom Sozialpsychiatrischen Dienst der Stadt Lübeck sowie Daniel Hettwich, Leiter einer Unterkunft für Geflüchtete der Gemeindediakonie, von ihrer Arbeit.

Deutlich zeigte sich das prekäre Bild in der psychosozialen Versorgung von Geflüchteten in Lübeck.

 

Nicht nur aufgrund von Folter und anderen schweren Gewalterfahrungen in den jeweiligen Herkunftsländern, sondern auch durch Erlebnisse auf der Flucht selbst, leidet ein hoher Prozentsatz (ca. 40%) der Geflüchteten unter so genannten Traumafolgestörungen. Durch die oft dramatischen Bedingungen in den an den EU-Außengrenzen liegenden Staaten wie Griechenland, Italien oder Ungarn kommen weitere Traumatisierungen hinzu. Geflüchtete sind dadurch oft über Jahre wiederholten existenziellen Bedrohungen ausgesetzt.

 

Sobald sie Deutschland erreichen, kommt es durch den sich oft über Jahre hinziehenden unsicheren Aufenthaltsstatus und die weiteren psychosozialen Belastungsfaktoren zu krisenhaften Zuspitzungen. Die Geflüchteten werden mit diesen Problemen in Lübeck allein gelassen – es gibt keine Beratungsstelle und kein Kriseninterventionskonzept für die Betroffenen.

 

Auf der Veranstaltung wurde berichtet, dass in Lübeck momentan 1050 Geflüchtete untergebracht seien. Im Laufe des Jahres 2015 sollen weitere 1700 Flüchtlinge nach Lübeck kommen und eventuell eine Erstaufnahmestelle gebaut werden.

 

Es wurde deutlich, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Flüchtlingsunterkünften die Arbeit der psychosozialen Beratung für Traumatisierte nicht zusätzlich zu der schon tagtäglichen Beratung aller Geflüchteten leisten können.

Deshalb ist es dringend erforderlich, ein Angebot zur psychotherapeutischen Krisenintervention für Geflüchtete in Lübeck einzurichten!

 

Deshalb fordern wir von der Bürgerschaft Lübeck:

  • die Schaffung von festen Stellen für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten für diese wichtige Arbeit
  • eine Regelung der Dolmetscherfinanzierung, um eine effektive Arbeit mit den traumatisierten Geflüchteten zu ermöglichen
  • Innerparteiliche Diskussionen mit dem Ziel, schnellere Aufnahmeverfahren, schnelleren Zugang zur Bildung, zum Arbeitsmarkt, sowie zur Teilnahme am sozialen Leben zu erwirken. Dies würde bereits erheblich zur psychosozialen Stabilisierung der Geflüchteten beitragen.

 

Wir bitten um eine Antwort von Ihrer Seite auf diesen Brief und möchten noch einmal auf die Dringlichkeit unseres Anliegens hinweisen.

 

Mit freundlichen Grüßen



Medibüro Lübeck

11.7. Demonstration für Solidarität mit Geflüchteten

Refugees Welcome – Gegen jeden Rassismus

Samstag, 11. Juli 2015, Start um 14 Uhr am Hauptbahnhof Lübeck

Wir möchten mit diesem Aufruf ein deutliches Zeichen der Solidarität mit Geflüchteten setzen – in Lübeck, in der Bundesrepublik und in ganz Europa. Der Brandanschlag vom 29.06.2015 auf die geplante Gemeinschaftsunterkunft in der Solmitzstraße in Lübeck-Kücknitz zeigt erneut, wie wichtig und dringend eine solche Demonstration gegen Rassismus ist.

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Keine Gesundheitskarte? (08.06.2015)

Am Mittwoch, 10.06.2015 findet im Hörsaal Z3 ein vom Medi-Büro Lübeck vorbereiteter Vortrag zum Thema „Rechtliche Fragen bei der Arbeit mit Flüchtlingen und Papierlosen im Krankenhaus“ statt.

Häufig hören wir von Problemen im Umgang mit Geflüchteten im medizinischen Bereich. So vermuten wir, dass das medizinische Personal sowohl in Krankenhäusern als auch im niedergelassenen Bereich nicht ausreichend geschult ist im Bezug auf die unterschiedlichen Aufenthaltsstatus und den Anspruch von
sylbewerbern auf medizinische Leistungen. Auch die Frage, wie mit Patienten ohne Papiere umgegangen werden soll, scheint immer wieder aufzukommen.

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Stellungnahme des Medibüros Lübeck zum G7 Außenministertreffen

In einem Brief vom 9.12.2014 fordert Klaus Rösler (Direktor der  Abteilung Einsatzangelegenheiten – Operations Division” von Frontex) das Innenministerium, die Marine und die Küstenwache Italiens auf, die aktuelle Praxis der Seenotrettung von Bootsflüchtlingen einzustellen. Nach Ende der italienischen Marineoperation Mare Nostrum, die mehr als 120.000 Menschen das Leben rettete, und zu Beginn der Frontex-Operation Triton greift Rösler die Behörden in Rom dafür an, dass Schiffe nach wie vor die Anweisung erhalten, sich in „außerhalb des operativen Gebietes von Triton liegende Zonen“ (also jenseits der 30 Meilen um die italienische Küste) zu begeben, um dort Booten in Seenot Hilfe zu leisten. Das „entspreche nicht dem operativen Plan“ und nicht jedem SOS-Ruf sei zu folgen.“(Quelle: http://afrique-europe-interact.net/1298-0-Aktionen.html)

Am 14./15. April treffen sich in Lübeck die Außenminister der Länder der G7: Deutschland, Frankreich, Großbrittanien, Italien, Japan, Kanada und die USA. Sie formierten sich als Gruppe um die Weltpolitik zu diktieren – allein aus der Tatsache heraus, die sieben reichsten und mächtigsten Industrienationen der Welt zu sein. Diese Gruppe ist von niemandem gewählt worden, sie hat keine Legitimation. Diese Tage werden in Lübeck besonders Themen der Außenpolitik diskutiert. Gerade hier ist es fatal, dass andere Länder nicht mit am Tisch sitzen. Entscheidungen der G7 haben eine enorme Auswirkung auf Staaten außerhalb der Gruppe, deren Interessen nicht gehört werden. Besonders im Bereich der Migrationspolitik sind die Folgen verheerend. Vier der sieben Außenminister kommen aus europäischen Ländern und sind federführend bei der Abschottung Europas. Stellungnahme des Medibüros Lübeck zum G7 Außenministertreffen weiterlesen